Harnmarkieren bei Katzen

Katzen sind von Natur aus besonders saubere Tiere. So haben sie auch die Angewohnheit, ihre Ausscheidungen zu vergraben. Der Tierbesitzer braucht lediglich eine mit Katzenstreu gefüllte Katzentoilette aufzustellen, die regelmäßig gereinigt werden muss.

Das Setzen von Harnmarken ist für die Katze ein Kommunikationsmittel. Sie benutzt es, um sexuelle Erregung, Stress und Emotionen auszudrücken. Man unterscheidet sexuell und sozial induziertes Territorialverhalten, das sowohl bei Katern als auch bei weiblichen Katzen auftritt. Bei der Miktion (Harnabsatz) sollte zwischen dem Spritzharnen als Markierungsverhalten (wenige Harnspritzer angereichert mit so genannten Botenstoffen) und dem Harnabsatz als reinem Ausscheidungsverhalten (viel Harn) unterschieden werden. Beim Spritzharnen stehen die Tiere aufrecht mit erhobenem Schwanz und spritzen (Kater) bzw. versprühen (Kätzin) ihren Harn an bestimmte, meist hervorragende Stellen (Wände, Möbel, Gardinen, Standuhren) ihrer Umgebung. Beim Harnabsatz als reines Ausscheidungsverhalten befinden sich die Tiere in Hockstellung und halten den Schwanz waagrecht.

Das Spritzharnen zur Markierung tritt mit Erreichen der Geschlechtsreife auf und dient vorwiegend der Revierabsteckung. Dementsprechend zeigen es Kater häufiger als Katzen, bei denen es hauptsächlich während der Rolligkeit auftritt. Nach der Kastration bleibt dieses Verhalten in der Regel aus. Markieren die Tiere trotz Kastration weiterhin in der Wohnung, gilt dies verständlicherweise als unerwünscht. Als Ursache kommen überwiegend starke sexuelle Reize in Frage. So setzen z.B. kastrierte Kater Harnmarken, wenn sich in ihrer Nähe eine rollige Katze befindet. Auch wenn ein neuer Artgenosse in der näheren Umgebung auftaucht, kann dies Revierverhalten provozieren. Oft sieht man Spritzharnen auch nach Katzenkämpfen als "Siegergeste" des Gewinners oder als "Trotzreaktion" des Unterlegenen. Dem Menschen gegenüber wird es gelegentlich nach einer Bestrafung gezeigt und ist hier wohl als maskierte Aggression aufzufassen.

Sehr viel problematischer wird die Sache, wenn Katzen die Katzentoilette nicht oder nicht mehr zum Harnabsatz benutzen. Die Harnpfützen findet man dann vor allem auf dem Fußboden, aber auch auf Sitzmöbeln und auf Betten. Bei plötzlicher Unsauberkeit ihrer Katze sollten zunächst medizinische Ursachen in Betracht gezogen werden: Blasenentzündung, Nierenentzündung, Verlegung der Harnwege durch z.B. Nieren- oder Blasensteine, Zuckerkrankheit, Altersschwäche. Wenn die Krankheit tierärztlich behandelt wird, hört auch die Unsauberkeit wieder auf. In sehr seltenen Fällen zeigen vorwiegend Rassekatzen schon als Jungtiere das Fehlen einer lokalisierten Kot- und Harnabgabe und sind auch später nicht hierzu zu veranlassen. In diesen Fällen liegt wahrscheinlich ein echter Instinktverlust dieser sonst so sauberen Tiere vor.

Bei den meisten stubenunreinen Katzen liegt in der Regel eine momentane Verhaltensstörung vor. Als Ursache kommen die verschiedensten Faktoren in Frage: Vorübergehender oder dauerhafter Verlust der Bezugsperson (Reisen, Besitzerwechsel), Eintreten neuer Personen (Baby, Lebenspartner), Artgenossen oder anderer Tiere in die bestehende Familienstruktur, Rangverschiebungen, Umgebungsveränderungen (Umzug, Wohnungswechsel), Verbringen ins Tierheim, Umstellen von Möbeln oder gar neue Möbel (oft reicht der Tannenbaum an Weihnachten), Anwesenheit von Handwerkern, Gästen, Ferienkindern oder Enkeln, Maschinenlärm, Verhinderung oder Behinderung gewohnter Tätigkeiten (Entzug des Freigangs, Verschließen bisher zugänglicher Räume, Abstellen des Im-Bett-Schlafens), zeitliche Änderungen im Fütterungs- oder überhaupt im Tagesablauf, Futterumstellung (andere Marke oder Trockenfutter statt Feuchtfutter), Mangel an Zuwendung, Bestrafung usw. Besonders häufig ist die Ursache im Toilettenbereich selbst zu suchen. So lehnen manche Katzen die Katzentoilette bereits ab, wenn sie nur geringfügig verschoben wurde, manche Katzen vermeiden das Aufsuchen der Toilette, wenn sie bereits benutzt worden ist, andere wiederum lehnen das Einstreumaterial ab (Farbe, Konsistenz, Geruch etc.) oder die Form der Katzentoilette bzw. deren Aufstellungsort.